Paula in der Ukraine

Über meinen Freiwilligendienst in Charkiw

04Februar
2014

Aus der Versenkung...

So, ich dachte, ich meld mich mal wieder aus der Versenkung.

Mir geht es nach wie vor sehr gut und ich habe Weihnachten und Silvester gut überstanden.

Zu Weihnachten bin ich mit meiner Mitbewohnerin nach Zyrupinsk (und Cherson) gefahren. Dort haben wir zusammen mit anderen Freiwilligen aus Deutschland die (deutschen) Feiertage verbracht. Danach sind wir alle nach Odessa gefahren, um dort Silvester zu feiern. Odessa ist eine wirklich sehr schöne Stadt direkt am Schwarzen Meer und wir hatten eine tolle Silvesterfeier.

Als wir dann wieder in Charkow waren, hatten wir noch bis einschließlich 7. Januar frei, da die Tage ab dem 1. Januar Feiertage sind. Dann fing langsam wieder die Normalität an und wir gingen wie gewohnt arbeiten. Am Wochenende vom 17.01. bis 19.01. besuchten wir zwei Freiwillige in Dnipropetrowsk. Dort waren wir unter anderem in der Oper und in einem Dorf in der Nähe haben wir den Feiertag Крещение (gesprochen: Kreschenie, übersetzt: Taufe) verbracht. Der wird in der Ukraine immer am 19.01. gefeiert und die Menschen lassen sich mit Weihwasser segnen. Die orthodoxen Priester haben dafür kleine „Besen“ mit denen sie den Menschen das Weihwasser regelrecht ins Gesicht schleudern. Damit begann der Spaß. Wir haben uns natürlich mit zum Segnen-Lassen angestellt und ein bisschen was abbekommen. Danach ist die Menschenmenge zu einem naheliegenden Fluss gegangen, wo es einige Essensstände und Musik gab. Dann sind einige Personen in Badesachen in den Fluss gegangen. Und das bei -7 Grad! Richtig macht man es, wenn man im Wasser drei Mal untertaucht und sich dazwischen bekreuzigt. Durch dieses Ritual sollen die Menschen von Krankheiten verschont bleiben. Wir haben uns auch ein bisschen von der festlichen Stimmung hinreißen lassen und sind zumindest mit den Füßen ins Wasser gegangen. Aber das war schlimm genug.

Vor ca. zwei Wochen brach dann die Kälte über uns hinein und die Temperaturen sanken bis zu -27 Grad. In einer Nacht sollen wir sogar die -30-Grad-Marke geknackt haben. In der Zeit fühlte sich alles ein bisschen wie Winter-Starre an. Wir verbrachten die Tage in unseren Betten, hatten kleine Standlüfter an und heizten die Küche mit dem Backofen. Einige Tage hatten wir auch „Kältefrei“. Aber seit gestern wird es langsam besser, heute hatten wir nur -8 Grad und wir hoffen, dass es jetzt erst einmal so bleibt.

Am Samstag haben wir meinen Geburtstag gefeiert und waren in einem großen Einkaufszentrum bisschen shoppen und danach mit ein paar Freunden Bowling spielen.

Am Freitag werden wir uns auf den Weg nach Lviv (deutsch: Lemberg) machen, da da unser Halbjahresseminar stattfinden wird. Davor sind wir einen Tag in Kiew und wir hoffen, trotz der Turbulenzen dort, etwas von der Stadt sehen zu können. Ein halbes Jahr schon! Mir kommt es gar nicht so vor. Die Zeit rast nur so davon und ich habe mich schon so sehr an die Ukraine gewöhnt, dass es sich kaum noch fremd anfühlt.

Jetzt kommen noch ein paar Bilder.

Lasst es euch gut gehen.

Liebe Grüße,

Paula


Meine Bastelstunde jeden Mittwoch im Altenheim. Jeden Freitag geben wir eine Kinderstunde zum Deutschlernen.  Zum Nikolaustag hat die Jugend ein Theaterstück für Kinder aus bildungsfernen Familen aufgeführt. Wo bin ich?    Im Nachtzug nach Cherson mit Hühnchen und Cognac von unseren Abteil-Bekanntschaften. Weihnachtliches Schrottwichteln. Weihnachtliches Glühweintrinken. Sonnenuntergang in Cherson. In Odessa. Odessas Oper.   Das Geisterhaus in Odessa. In der Oper von Dnipropetrowsk. Tauf-Attacke. Loouus!! Meine Mitbewohnerin Nicole und eine etwas nasse Frau hinter ihr. Und rein ins Wasser. Der Krankenwagen war auch da. Man weiß ja nie. Ich mach auch mit. (Das Bild lässt sich leider nicht drehen.) Und danach gehts wieder nach Hause. Jede dorthin, wo sie auch wohnt. Geburtstag feiern.

27Oktober
2013

Я хочу купить десяток яиц, пожалуйста. - Ich möchte bitte zehn Eier kaufen.

Nachdem ich aus verschiedenen Richtungen ermahnt wurde, doch jetzt endlich mal etwas in meinen Blog zuschreiben, werde ich das nun tun.

 

Seit knapp 2 Monaten bereichere ich jetzt schon die doch recht schöne 1,5-Millionen-Stadt Харків (Charkiw) in der Ost-Ukraine mit meiner Anwesenheit. Ich habe hier schon eine Menge erlebt und von einigen Dingen möchte ich kurz berichten.

 

Nach 2-tägiger Fahrt erreichten meine Mit-Freiwilligen und ich am 3. September die Stadt Харків. Dort erwartete uns ein Einführungsseminar, bei dem wir ein wenig von der ukrainischen Kultur erfuhren, ein paar Tipps für unsere Zeit hier erhielten und die Gelegenheit bekamen, gemeinsam in unseren Freiwilligendienst zu starten. Anschließend fuhren die anderen Freiwilligen in ihre Einsatzstädte und ich und meine Mitbewohnerinnen Katja und Nicole bezogen unsere Wohnung. Sie ist für ukrainische Verhältnisse recht gut ausgestattet und mittlerweile schon ein bisschen unser Zuhause geworden. Die einzigen Dinge, die sie nicht hat, sind ein funktionierender Staubsauger und eine Waschmaschine. Aber ich habe festgestellt, dass sich der Teppich vor meinem Bett auch gut mit einem Besen säubern lässt und das Kleidung auch per Hand gewaschen werden kann. Da das aber sehr mühevoll und aufwändig ist, haben wir trotzdem einen Waschsalon gesucht und diese Woche auch gefunden. Leider sind wir zu diesem ca. 1,5h unterwegs, aber ich finde, der Weg lohnt sich ab und zu doch. Außerdem ist man, egal wo man hin will, immer sehr lange (man plant generell etwa einen Stunde ein) mit Tram, Marschrutka, Trolleybus und/oder Metro unterwegs.

Im September war es in Харків sehr kalt, aber die Heizungen in so gut wie allen Gebäuden und Wohnhäusern noch nicht angestellt. Das waren sehr schwere Wochen für uns, da wir in unserer Wohnung sehr gefroren haben. Aber seit Anfang Oktober sind die Heizungen an und es ist schön warm. Der Winter kann also kommen.

 

Nun zu meinen Aufgaben:

Ich arbeite in keiner festen Einrichtung, sondern habe jeden Tag ein anderes Projekt. Diese Projekte habe ich mit meiner Mentorin Maryna in den letzten 2 Monaten aufgebaut. Einige davon haben leider noch nicht bekommen. Zum Beispiel werde ich in Zukunft jeden Montag in einem Obdachlosenzentrum gemeinsam mit ein paar Jugendlichen Essen zubereiten und verteilen. Außerdem ist noch geplant, dass ich jeden Donnerstag in einer Schule für blinde Kinder arbeite. Eventuell werde ich dort sogar einen Gitarrenkurs leiten. Darauf bin ich sehr gespannt, denn ich muss mir noch ausdenken, wie ich blinden Kindern, deren Sprache ich nur sehr schlecht verstehe und spreche, das Gitarre-spielen beibringen soll. Aber ich werde mir was einfallen lassen, weil ich glaube, dass das nicht unmöglich ist.

 

Zu den Projekte, die schon seit einer Weile stehen:

Jeden Mittwoch fahre ich in ein Altenheim, wo ich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern bastle. Dieses Bastelrunde habe ich diese Woche erstmals angeboten und es wurde gut angenommen.

Außerdem leite ich zusammen mit Nicole jeden Freitag eine Kinder- und Jugendstunde, wo spielerisch Deutsch gelernt wird. Diese Stunde findet in einer evangelischen Gemeinde statt, von der meine Freiwilligen-Stelle initiiert wurde.

In einem weiteren Projekt geht es darum, den Transport von verschiedenen Gegenständen (wie z.B. Betten, Tische und ähnliches) für das besagte Altenheim aus einem Hamburger Altenheim zu organisieren. In Hamburg werden diese Dinge nicht mehr gebraucht, weil sie veraltet sind, aber für ukrainische Verhältnisse sind sie schon fast neumodisch. Ich bin bei diesem Vorhaben die Kontaktperson und übersetze die E-Mails der beiden Einrichtungen. Ich hoffe, dass der Transport ohne größer Probleme stattfinden kann, denn das Altenheim kann ein paar neue Betten schon gut gebrauchen.

 

Außerdem habe ich noch einige Aufgaben außerhalb der Reihe:

Diese Woche habe ich einen Vortrag auf einer Konferenz zum Thema „Gender“ gehalten. Die Konferenz fand an einer Universität in Харків statt und mein Vortrag wurde simultan auf Russisch übersetzt. Im Rahmen der Konferenz wurde ich auch in das Харківer Opernhaus zu „Schwanensee“ eingeladen. Das war das erste Ballett, was ich gesehen habe und es hat mir echt sehr gut gefallen.

Am Dienstag werde ich ein paar Senioren und Seniorinnen aus dem Altenheim in die Stadt entführen. Wir werden uns die sanierten Plätze im Zentrum anschauen, eine kleine Gemäldeausstellung besuchen und dann noch Kaffee trinken gehen. Ich bin sehr gespannt, wie das bei den älteren Leuten ankommen wird.

Харків ist die Partnerstadt von Nürnberg, deshalb gibt es hier das „Nürnberger Haus“. Hier finden Deutschkurse und verschiedenen kulturelle Veranstaltungen statt. Ein Angebot, was die Sprachkurse praktisch ergänzt, ist der sogenannte „Deutschclub“. Im Rahmen dieses Angebotes werde ich in zwei Wochen einen Vortrag halten.

 

Eine Reise habe ich auch schon gemacht. Ich war vor 2 Wochen in Херсон (Cherson) und Цюрупинськ (Zyrupinsk). Dort habe ich ein paar Freiwillige meiner Organisation besucht. Wir hatten super Wetter und eine schöne Zeit. Ich hatte auch die Gelegenheit, mir die Arbeit der Freiwilligen in Цюрупинськ anzuschauen. Sie arbeiten in einem Heim für behinderte Kinder. Ich konnten einen Tag ein bisschen mitarbeiten und das hat richtig Spass gemacht. Es war aber auch erschreckend, in welchen Zuständen die Kinder leben. Viele verbringen fast den ganzen Tag in ihrem Gitterbettchen, werden lieblos gefüttert und niemand spielt mit ihnen. Aber die beiden Mädels, die dort arbeiten, machen ihre Sache echt gut und beschäftigen sich hingebungsvoll mit den Kleinen. Ich hoffe, ich kann das Kinderheim noch einmal besuchen und sehen, wie sich die Kinder entwickelt haben.

 

Sprachlich merke ich seit etwa einer Woche erste Fortschritte. Ich habe vor meinem Freiwilligendienst ein Jahr an meiner ehemaligen Universität an Russisch-Sprachkursen teilgenommen, was mir den Einstieg etwas erleichtert. Wenn man mit mir langsam und deutlich auf Russisch spricht, verstehe ich schon relativ viel. Sagen kann ich noch nicht ganz so viel und wenn, dann grammatikalisch ziemlich falsch. Aber seit dieser Woche bekommen wir Russisch-Unterricht und ich habe schon einen Tandem-Partner gefunden mit dem ich mich regelmäßig treffen will.

Heute Nacht habe ich im Traum zum 2. Mal ein bisschen Russisch gesprochen. Ich war auf dem Markt neben unserem Wohnblock und habe auf Russisch Eier gekauft.

 

So, das wars jetzt erst mal.

Ich hoffe, dass ich nicht wieder 2 Monate für den nächsten Blog-Eintrag brauche.

Bis bald,

Paula.

Die Ukraine-Mädels und unsere Betreuerin (sowie meine Mentorin) Maryna. Im Zug von Kiew nach Charkow. Mein Zimmer. Ausblick von meinem Balkon. Unsere Küche.  Im Kinderheim in Zyrupinsk. Keine Angst. Der Kleinen geht es gut, sie singt grad. Im Kinderheim in Zyrupinsk.

01Sept
2013

Nur noch ein paar Stunden...

So. Um 15 Uhr startet heute unser Bus in Richtung Kiew. Dort werden wir ziemlich genau einen Tag später ankommen und dann mit einem Nachtzug nach Charkiw weiterfahren. Dort haben wir zusammen mit Freiwilligen der Diakonie ein 2-tägiges Seminar und am 5. September fahren alle in ihre Einsatzstädte. Da Chrakiw ja schon meine Einsatzstadt ist, bleibe ich da und ziehe in meine WG ein.

Ich bin sehr gespannt darauf, was mich und die anderen Freiwilligen in den nächsten Tagen erwartet. Ich werde hier davon berichten...

Bis dahin.

04August
2013

Bald geht es los

Am 1. September werd ich zusammen mit anderen Freiwilligen in die Ukraine fahren - voraussichtlich mit einem Linienbus. Ich bin allein in Chrakiw eingesetzt, werde dort aber mit zwei Freiwilligen, die ebenfalls aus Deutschland kommen zusammen wohnen und arbeiten. Die beiden werde ich erst in Chrakiw kennenlernen. Darauf bin ich sehr gespannt.

Chrakiw liegt im Osten der Ukraine und ist mit 1,4 Mio. Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Über die Schönheit der Stadt habe ich sehr verschiedene Aussagen bekommen. Ich werd mir also ein eigenes Bild machen müssen.

Ich werde in der DELKU (Deutsch Evangelisch-Lutherische Kirche in der Ukraine) arbeiten und dort verschiedene Projekte für Jugendliche mitorganisieren und durchführen. Außerdem werde ich einige behinderte Menschen besuchen und betreuen.

Zur Zeit findet in Dresden eine Multilaterale Begegnung statt, bei der wir (Freiwillige die in die Ukraine, nach Ungarn und Rumänien gehen werden) Freiwillige kennenlernen, die aus verschiedenen Ländern kommen und ab September einen Freiwilligendienst in Deutschland leisten werden. Sie kommen aus Spanien, Rumänien, Ungarn, Usbekistan und der Ukraine. Zusammen lernen wir die Sprachen unserer Gastländer.

Unsere gemeinsame Organisation ist der "Initiative Christen für Europa e.V.". Wer sich für einen Freiwilligendienst in Europa interessiert, kann gern die Homepage des Vereins besuchen:

http://www.freiwilligendienst.de